Glossar

Glossar und Zusatzinformationen

Sollten Sie beim Durchlesen Begriffe oder Themen vermissen, kommen Sie bitte auf uns zu. Wir sind gerne bereit, Ihre Fragen auch in dieser Form zu beantworten.

Achtsamkeit

Achtsamkeit bedeutet in unserer Gesellschaft meist Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitsverschiebung. Mittlerweile geht das Verständnis von Achtsamkeit in Richtung des Verständnisses der buddhistischen Traditionen und subsummiert sich unter dem englischen Begriff mindfulness. Damit ist die geistige Einstellung gemeint, die sich auf ein breites Achtgeben auf alle Phänomene bezieht. Die meisten Achtsamkeitsübungen heute basieren auf Elementen der Meditation, des Yoga und Gedanken des Buddhismus.

Wir nutzen Achtsamkeit auf verschiedene Arten und Weisen. Zunächst hilft uns die Achtsamkeit bei der generellen Entschleunigung und hin zur Langsamkeit. Die Langsamkeit benötigen wir, damit wir zusammen den wirklichen Stressoren auf die Spur kommen bzw. mit Ihnen zusammen genau erforschen können, wann der negative Stress beginnt.

Mit Achtsamkeit in unserem Sinne können auch Verhaltensänderungen induziert werden. Nämlich genau dann, wenn Sie noch handlungsfähig und noch nicht im Automatikmodus, der in den Stress führt, verhaftet sind.

Achtsamkeit richtet sich dabei sowohl auf Ihre Gedanken als auch auf den Körper. Mit Achtsamkeit verbunden ist auch eine bessere Körperwahrnehmung und ein Stoppen von negativen Gedanken bzw. Gedankenspiralen.

Anspannung, Verspannung und Entspannung

Im Normalfall findet in unserem Körper ein Wechselspiel zwischen Anspannung und Entspannung statt. Die zahlreichen Muskeln des menschlichen Körpers ermöglichen seine vielfältigen Bewegungen. Damit die Muskulatur jederzeit reaktionsfähig bleibt, behält sie, solange wir wach sind, eine Grundspannung, den Tonus bei.

Wenn wir aktiv sind und etwas erreichen wollen, spannen sich unsere Muskeln an. Haben wir unser Ziel erreicht, kehrt unser Körper zur Entspannung zurück.

Erfolgt nach Anspannung jedoch keine genügende Lösung, so führt das zum Übertonus. Wird dieser längere Zeit hindurch aufrecht erhalten und nicht gelöst, entstehen Verspannungen bis hin zu schmerzhaften Verkrampfungen und Verhärtungen der betroffenen Muskeln.

Im Gegensatz zu den Verspannungen gibt es den sogenannten Untertonus, also eine zu geringe Spannung der Muskeln, die zur Erschlaffung des Muskelgewebes führt.
Die Ursachen für beide Arten von Fehlspannungen liegen häufig im psychischen Bereich, denn unsere Muskeln werden auch in Verbindung mit unseren Gefühlen aktiv. Beispielsweise gehen Ärger, Angst, Traurigkeit und auch Stress mit einer veränderten Muskelanspannung einher.

Verspannungen entstehen meistens durch nicht abgeklungene Reize aus Umwelt und Innenwelt, die – wenn sie nicht entsprechend verarbeitet werden konnten – den Menschen selbst dann noch in Spannung halten, wenn diese Einflüsse längst vorüber sind. Schwerwiegende Beispiele dafür zeigen sich in den Symptomen der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS).

Fehlspannungen behindern nicht nur die Arbeitsleistung (jede Verspannung ist eine sinnlose Kraftvergeudung) sondern auch die Organfunktionen, z.B unsere Atmung und Verdauung.

Chronische psychische und körperliche Anspannung führt in der Regel zu körperlichen Beschwerden wie Herzbeschwerden, Kopfschmerzen und Bluthochdruck, wirkt sich in Form von Schlafstörungen aus, kann zu Tinnitus führen und in einen Burnout münden.

Burn-out

Burn-out scheint sich zu einer neumodischen Geisel der Menschheit zu entwickeln. Burn-out bezeichnet einen Zustand emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Burn-out an sich ist der Endzustand einer Entwicklungslinie, die oft mit einer großen Begeisterung beginnt und durch frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung, Apathie, psychosomatischen Erkrankungen, Suchtverhalten und letztlich Depression führt.

Bei Männern wird das Endstadium Depression oft durch erhöhte Aggression und Aggressionsbereitschaft verdeckt. Allerdings gibt es für Burn-out keine eindeutigen diagnostischen Kriterien. Burn-out in unserem Sinne bedeutet, dass ein Zuviel im Außen nicht reguliert bzw. abgeschottet werden kann. Die eigenen Grenzen können oft nicht wirkungsvoll aufrecht erhalten werden und/oder man versucht durch Mehrleistung irgendwelche „Streicheleinheiten“ von außen zu erhalten (Helfersyndrom und ähnliches).

Burn-out hat mittlerweile auch eine starke gesellschaftliche Komponente: Die Anzahl der Krankschreibungen aufgrund seelischer Leiden/Erschöpfung hat lt. Deutscher Rentenversicherung seit 1993 um fast 40% zugenommen, die Fehlzeiten von Arbeitnehmern mit psychischen Erkrankungen im selben Zeitraum um 88% (lt. AOK). 4 Millionen Menschen in Deutschland leiden (Stand 2011) unter Depression.

Weiterführende Links:

http://www.psychosoziale-gesundheit.net/psychiatrie/burnout.htm

http://www.hilfe-bei-burnout.de/

Entspannung

Häufig sind wir uns des Ausmaßes unserer Fehlspannungen und deren Ursachen nicht bewusst. Sie lassen sich erst dann beheben, wenn unser Körpergefühl und unser Bewusstsein für unsere innere Haltung geweckt sind.

Auch hier wirken beiden „Welten“ zusammen: körperliche Ent-Spannung vermag die psychische Verfassung wesentlich zu verbessern. Umgekehrt lassen sich Verspannungen durch eine positive Veränderung der Bewusstseinshaltung von der Ursache her beheben. Yoga und Achtsamkeit sind dafür ausgezeichnete Helfer, da sie beide Bereiche bedienen.

Während der Entspannung werden Gefühle von Sicherheit und Geborgenheit gestärkt, Ängste und emotionale Blockaden können leichter gelöst und abgebaut werden. Zum einen liegt das daran, dass in der Ruhe der Teil des Nervensystems (Parasympathikus) aktiviert wird, der Erholung und Gelassenheit auf körperlicher und emotionaler Ebene fördert.

Zum anderen sinkt die Gehirnfrequenz, Alphawellen entstehen, die die Regeneration des Körpers fördern. Dadurch wird die Aktivität der rechten Gehirnhälfte stimuliert, die wiederum Hauptsitz unserer kreativen Fähigkeiten ist und den Kontakt mit unseren inneren Bildern ermöglicht. Siehe Visualisierung und innere Bilder.

Erschöpfungsspirale

Unter Erschöpfungsspirale versteht man den Weg in einen Erschöpfungsstrudel, aus dem man ohne fremde Hilfe nicht mehr herausfindet. Jeder von uns kennt Teile dieser Spirale, viele Menschen schaffen es aber nicht mehr, aus der Spirale herauszukommen. Stufen der Erschöpfungsspirale:

  • Schmerzen aller Art
  • Schlafstörungen
  • Energieverlust
  • Scheuklappen bei den eigenen Gedanken
  • Reizbarkeit, Kränkbarkeit, Aggression
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Sozialer Rückzug
  • Schuldgefühle, Grübelattacken
  • Motivations- und Interesselosigkeit
  • Starke Stimmungsschwankungen
  • Gedanken an Selbstmord
  • Apathie und/oder quälende innere Unruhe
  • Depression

Je tiefer Sie in dieser Erschöpfungsspirale schon sind, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Sie alleine wieder herausfinden. Experten empfehlen hier, zu versuchen Grenzen zu setzen und sich unbedingt professionelle Hilfe zu holen.

Fieberkurve Arbeitsunfähigkeit

Die Anzahl der Menschen, die wegen seelischen Erkrankungen frühzeitig in Rente gehen, nimmt dramatisch zu. Die Hauptgründe für die Frühverrentung sind Burn-out, Ängste und Depressionen. Die psychischen Erkrankungen liegen mit fast 40% der Fälle an Frühverrentung weit vor der nächsten Gruppe – der Skelett- und Muskelerkrankungen mit unter 20 Prozent.

Lösungsfokussierte Kurzzeittherapie

Die lösungsorientierte Kurztherapie, auch lösungsfokussierte Kurztherapie, (engl. solution focused therapy) ist eine spezielle Art der Gesprächstherapie, die von den Psychotherapeuten Steve de Shazer und Insoo Kim Berg 1982 erstmals vorgestellt wurde. Sie geht von dem Standpunkt aus, dass es hilfreicher ist, sich auf Wünsche, Ziele, Ressourcen, Ausnahmen vom Problem zu konzentrieren anstatt auf Probleme und deren Entstehung. Dieser Therapieansatz verbreitet sich in den letzten Jahren auch in anderen Bereichen wie Coaching, der Pädagogik, dem Management sowie der Seelsorge. Insbesondere verbreitet er sich in der Schweiz und in Teilen Deutschlands auch in der Sozialen Arbeit und in der Sozialpädagogik, sowie in der Psychiatrie. Für die Sozialpädagogik wurde die lösungsorientierte Kurztherapie von den Begründern Steve de Shazer und Insoo Kim Berg in enger Zusammenarbeit mit Kaspar und Marianne Bäschlin adaptiert. (Quelle: Wikipedia).

Weitere Informationen dazu unter Europäischen Organisation.

MBSR

MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction wurde vom Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn in den späten 70ger Jahren als Programm zur gezielten Stressbewältigung entwickelt. MBSR wird meistens als 8-Wochen-Programm gelehrt und besteht aus einer gezielten Lenkung der eigenen Aufmerksamkeit und durch Entwicklung, Einübung und Stabilisierung von erweiterter Achtsamkeit.

MBSR ist eine sehr gute Methode zum Einstieg in die Welt der Stressbewältigung bzw. zum besseren Umgang mit Stress. MBSR hat aber sein Ende dort, wo es an die persönlichen Ursachen von  Stress geht. Nämlich dann, wenn die eingeübten Verhaltensweisen nicht mehr greifen, weil Überlebens-Programme eine Änderung verhindern. Überlebens-Programme sind in unseren Augen die Automatismen, die uns in sicheren Bahnen halten und bestimmte Verhaltensweisen fast automatisch ablaufen lassen.

NARM

Das Neuroaffektive Relationale Modell (NARM) nach Dr. Laurence Heller ist ein sehr ressourcenorientierter und nichtregressiver Ansatz um die Selbstregulierung von Menschen zu stärken. Sie hilft Menschen, wieder mit jenen Anteilen in Kontakt zu kommen, die organisiert und kohärent sind. NARM ist ein integrierter Ansatz, der sowohl die Beziehung, die Emotionen und die Reaktionen des Nervensystems beachtet und in Einklang bringt.

Weitere Infos dazu auf der deutschsprachigen Webseite von Dr. Laurence Heller.

Neurolinguistisches Programmieren (NLP)

Neurolinguistische Programmierung (kurz NLP) bezeichnet eine Sammlung von Kommunikationstechniken und Mustern zur Analyse von Wahrnehmung. Die Idee hinter NLP ist, dass der Mensch anhand von Reiz-Reaktions-Ketten funktioniert und diese neu gestaltet werden könnten.

Geändert werden soll das eigene Verhalten durch Analyse des alten Verhaltens und „Programmieren“ von neuen Reaktionen. Das Ziel ist eine “erfolgsorientierte Kommunikation”.

Weitere Informationen auf der Seite des deutschen NLP-Verbandes DVNLP und im NLP-Portal.

Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS)

Unter dem Begriff Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) werden verschiedene psychische und psychosomatische Symptome zusammengefasst, die als Langzeitfolgen von Trauma auftreten können. Sie entsteht meist als eine verzögerte Reaktion auf ein auslösendes belastendes Ereignis (Trauma).

Die Heftigkeit der PTBS hängt dabei meistens von Schwere, Zeitpunkt, Dauer des belastenden Ereignisses ab, ebenfalls – sollte das Ereignis mit Menschen zu tun haben – wie nah einem die Menschen standen bzw. stehen.

Mit frühzeitiger und sachkundiger therapeutischer Intervention kann einer PTBS-Entwicklung entgegengewirkt werden

Resilienz

Mit “Resilienz” wird in der psychologischen Forschung die psychische und physische Stärke bezeichnet, die es Menschen ermöglicht, Lebenskrisen, wie schwere Krankheiten ohne langfristige Beeinträchtigungen zu meistern. Kurz: Gedeihen trotz widriger Umstände.

Resiliente Personen haben erlernt, dass sie es sind, die über ihr eigenes Schicksal bestimmen (sogenannte Kontrollüberzeugung). Sie vertrauen nicht auf Glück oder Zufall, sondern nehmen die Dinge selbst in die Hand. Sie ergreifen Möglichkeiten, wenn sie sich bieten. Sie haben ein realistisches Bild von ihren Fähigkeiten.
Resilienz ist eine Fähigkeit, die jeder Mensch lernen kann. Je früher er sie erwirbt, umso besser. Doch auch Erwachsene sind zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens grundsätzlich in der Lage, ihre Widerstandsfähigkeit zu schulen.

In der psychologischen Forschung konnten 7 grundlegende Faktoren (Intrapersonale Skills) unserer Resilienz identifiziert werden, auf deren Stärkung Resilienz-Trainings abzielen:

  • Regulation von Emotionen: Die Fähigkeit mit unserer inneren Gefühlswelt so umzugehen, dass hohe Belastungen nicht als Stress empfunden werden, und wir auch weiterhin erfolgreich agieren. Resiliente Menschen setzen eine Reihe von gut entwickelten Fertigkeiten ein, die Ihnen helfen ihre Emotionen, Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Verhalten zu kontrollieren.
  • Kontrolle von Handlungsimpulsen: Die Fähigkeit, eigene Verhaltens- und Gefühlsimpulse zu kontrollieren. Die Kontrolle von Handlungsimpulsen schließt die Fähigkeit mit ein, sofortige Belohnungen für sich selbst zugunsten des Ereichens eines höheren Zieles aufzuschieben. Sie ist eine wichtige Komponente der emotionalen Intelligenz und hängt stark mit der Fähigkeit zusammen, die eigenen Emotionen regulieren zu können.
  • Genauigkeit der Ursachenanalyse: Die Fähigkeit, die Ursachen eines negativen Erlebnisses genau zu identifizieren. Resiliente Menschen sind in der Lage, eingefahrene Denkweisen zu überwinden und mehrere mögliche alternative Ursachen zu identifizieren, um so auch mehr Lösungsmöglichkeiten finden.
  • Selbstwirksamkeit: Die Überzeugung, dass wir durch unser Handeln etwas bewirken können, d. h. dass wir Probleme lösen und Erfolg haben können. Resiliente Menschen glauben an sich und gewinnen so das Vertrauen anderer, wodurch Ihre Chancen auf gute Gelegenheiten und Erfolg steigen.
  • Realistischer Optimismus: Die Fähigkeit, die Zukunft positiv zu sehen und dabei realistisch zu bleiben. Diese Fähigkeit hängt stark mit dem Selbstwert einer Person zusammen, wird jedoch vor allem beeinflusst durch die Genauigkeit der Analyse der Ursachen von Ereignissen sowie einer realistischen Einschätzung deren Folgen.
  • Empathie: Die Fähigkeit, das Verhalten anderer Menschen richtig zu deuten, ihre psychologischen und emotionalen Zustände zu verstehen und so gute Beziehungen aufzubauen. Resiliente Menschen können nonverbales Verhalten anderer gut lesen, was ihnen hilft tiefe Beziehungen aufzubauen. Sie neigen auch dazu, im Einklang mit ihren eigenen Gefühlen zu sein und zu handeln.
  • Streben nach Wachstum: Die Fähigkeit, die positiven Aspekte des Lebens hervorzuheben und neue Herausforderungen nicht nur anzunehmen, sondern diese auch aufzusuchen, um daran persönlich zu wachsen. Diese Fähigkeit wird geschwächt durch Schamgefühl, Perfektionismus und Self-Handicapping.

Somatic Experiencing

Was ist Somatic Experiencing?

Die Verarbeitung von überwältigenden Erlebnissen, Schocktraumata wie Verkehrsunfällen, Stürzen, Operationen, schweren Krankheiten, von Missbrauch, Gewalt und Bedrohung, Verlust eines nahen Menschen, Naturkatastrophen, Krieg, u.a.m. erfordert bei nachfolgenden Hilfestellungen oder therapeutischen Maßnahmen eine besondere Sichtweise. Somatic Experiencing bietet die Möglichkeit, mit solchen Erfahrungen besonders behutsam, dennoch in der Tiefe erfolgreich zu arbeiten.

Die meisten Therapiemethoden berücksichtigen in der Regel nicht in ausreichender Weise die während eines bedrohlichen Ereignisses ablaufenden Reaktionen in Körper und Nervensystem. Anders das von Peter Levine entwickelte Modell zur Überwindung und Integration traumatischer Ereignisse. Es beruht auf Verhaltensbeobachtungen in der Tierwelt. Der zugrunde liegende biologische Mechanismus geht auf das Jäger-Beute-Verhalten zurück, einen ursprünglichen Reiz-Reaktions-Zyklus mit grundsätzlich drei Optionen: Flucht-, Angriff- und Totstell-Reflex.

Tiere in freier Wildbahn sind zwar häufig lebensbedrohlichen Gefahren ausgesetzt, werden jedoch nicht nachhaltig traumatisiert, da sie über angeborene Mechanismen verfügen, die es ihnen ermöglichen, die hohe, im Überlebenskampf mobilisierte Stress-Energie wieder abzubauen. Zwar sind wir Menschen mit grundlegend gleichen Regulationsmechanismen ausgestattet, doch wird die Funktionsfähigkeit dieser instinktgeleiteten Systeme häufig durch den „rationalen“ Teil unseres Gehirns gehemmt und außer Kraft gesetzt.

Dies kann bei uns Menschen dazu führen, dass die vom Körper im Alarmzustand bereit gestellte Überlebensenergie vom Nervensystem nur unvollständig oder verzögert aufgelöst wird. Der Organismus reagiert in der Folge weiterhin auf die Bedrohung der Vergangenheit. In diesem Falle sind die in der Gegenwart zu beobachtenden Reaktionsweisen, Verhaltensmuster, Überzeugungen, Gedanken und Gefühle der Person oft noch mit den erschreckenden Erfahrungen der Vergangenheit gekoppelt.

Für die Betroffenen entstehen oft verwirrende und auch beängstigende psychische und somatische Symptome. Diese zeigen sich, eventuell erst Jahre später, als Übererregbarkeit, Überaktivität, jähzornige Wutausbrüche, Ängste, Panik, Depressionen, Gefühle von Entfremdung, Konzentrationsstörungen, Dissoziation, Bindungsunfähigkeit, Schlafstörungen, Erschöpfung, chronische Schmerzen, Migräne, Nacken- und Rückenprobleme, Probleme mit dem Immunsystem oder dem Endokrinum, Burnout uvm.

Trauma entsteht, wenn bei Überreizung des Nervensystems der ursprünglich natürliche Zyklus von Orientierung, Flucht, Kampf und Immobilitäts-Reaktion nicht vollständig durchlaufen werden kann oder gar nicht erst zustande kommt.

Bei der Aufarbeitung der Folgen von Schock und Trauma muss deshalb die körperliche Reaktion auf das verursachende Ereignis als eigenes Phänomen verstanden und berücksichtigt werden.

Gelingt es dem Menschen die biologischen Prozesse schrittweise und langsam zu vervollständigen, so kann die Person wieder Zugang finden zu ihren angeborenen, lebenswichtigen Reaktionsmöglichkeiten wie Orientierung, Flucht, Kampf, Verteidigung, und so ihre volle Lebensenergie zurückgewinnen, die zum Zeitpunkt der Überwältigung nicht zur Verfügung stand, bzw. eingefroren ist.

„Ein Trauma ist im Nervensystem gebunden. Es ist somit eine biologisch unvollständige Antwort des Körpers auf eine als lebensbedrohlich erfahrene Situation. Das Nervensystem hat dadurch seine volle Flexibilität verloren. Wir müssen ihm deshalb helfen, wieder zu seiner ganzen Spannbreite und Kraft zurückzufinden“. ( Peter Levine )

Mit SE wird das traumatische Ereignis körperlich und geistig „neuverhandelt“. Dabei ist nicht das Ereignis selbst entscheidend, sondern die Reaktionsweise des Nervensystems, d.h. wie die physiologischen Regulationskräfte des Nervensystems mit der Bedrohung fertig geworden sind. Mit SE ist es möglich, ohne Inhalt oder Erinnerung zu arbeiten, wenn das Ereignis emotional zu belastend erscheint. Eine mögliche Re-Traumatisierung bei der Aufarbeitung wird vermieden, indem die „eingefrorene“ Energie in kleinen Dosen „aufgetaut“ wird und schrittweise zur Entladung kommt. Durch das Aufspüren und Wiederbeleben dieser biologischen, körperlichen Abwehrkräfte, entsteht aus dem traumabedingten Gefühl von Lähmung und Erstarrung ein Gefühl von Lebendigkeit und eine Eröffnung von neuen Möglichkeiten und Lebensfreude. Die tief verankerten Nachwirkungen von Trauma können sich schonend auflösen.

Aus: http://www.somatic-experiencing.de/was-ist-se/beschreibung/index.html

Stressachse des Körpers

Man spricht deshalb auch von Stressachse, weil sich der Stress nicht sofort überall im Körper zu gleichen Teilen ausbreitet, sondern sich langsam ausdehnt, wenn er keinen Einhalt geboten bekommt. Normalerweise baut sich Stress von unten nach oben auf, d.h. von den Eingeweiden über den Solar Plexus, die Lungen, das Herz, die Luft-/Speiseröhre in den Hals, dem Kiefer hoch zu den Augen und Ohren.

Tinnitus bzw. ein Hörsturz sind z.B. Zeichen von lang anhaltendem Stress, der sich körperlich schon sehr weit oben manifestiert hat. „Höhere Stress-Symptome“ sind dann Kopfschmerzen, Migräne, Schwindel und Ohnmachten.

Ausgangspunkt für die Stressreaktion sind dabei meistens unsere Sinnesorgane, die irgendwelche Gefahren dem Gehirn melden, das diese Signale an Mandelkerne und das vegetative Nervensystem weitergibt. Es werden also Stresshormone produziert, die – je nach Stresspegel – an verschiedenen Körperteilen ansetzen.

Über die Nebennierenrinde wird das Stresshormon Cortisol produziert und ausgeschüttet. Parallel wird Adrenalin produziert. Beide zusammen treiben Blutdruck und Herzschlag in die Höhe.

Daneben produziert die Leber Glukose als Energielieferant für die Nervenzellen, der Körper stoppt gleichzeitig Verdauungsreaktionen, Hungergefühle, Sexualität, Schlaf – weil alle Energie für die identifizierte Gefahr benötigt wird.

Ein komplexes Gebilde also, das sehr schnell auf Gefahren anspricht und – je nach vorhandenem Stresspegel – sich langsamer wieder beruhigt als es sich aufgebaut hat.

Stressbewältigung/Stressreduktion

Für Stressbewältigung/Stressreduktion kann man an 3 Punkten ansetzen:

  • An der Umwelt: Äußere Faktoren, die Stress auslösen oder begünstigen werden verringert oder ganz vermieden.
  • An uns selbst: Wir können stresserzeugende Verhaltensweisen abbauen und versuchen, mehr Resilienz zu erhalten. Dabei geht es vor allem um Einstellungen und meistens um Muster etwas älterer Bauart.
  • An unserem Körper: Indem wir mehr auf seine Reaktionen achten, uns bewusst mehr Zeit für ihn nehmen. Mehr Sport als Entlastung in unseren Alltag bringen und dafür sorgen, dass auf jede Anspannung auch eine Phase der Entspannung kommen kann.

Systemaufstellungen

Systemaufstellungen und systemische Einzelarbeit sind Methoden, um Vorgänge “in einem System” – Familie, Partnerschaft und/oder Beruf – sicht- und erfahrbar zu machen. Eine Methode, bei der komplexe Beziehungswirklichkeiten anschaulich und damit begreifbar werden.

Systemaufstellungen eignen sich auch dafür, unter anderem Glaubenssätze, Gefühle, Krankheiten, Befürchtungen, Aufträge oder all das aufzustellen, was Sie derzeit bewegt und Sie gerne eine andere, vielleicht veränderte Sicht-Weise dazu hätten.

Weitere Informationen zu Systemaufstellungen und Organisationsaufstellungen im Systemaufstellungs-Lexikon.

Trauma

Unter einem Trauma verstehen wir ein Ereignis, bei dem etwas unerwartet, zu viel, zu schnell, zu heftig passiert ist, ohne dass man die Möglichkeiten einer adäquaten Gegenreaktion hatte. Zu traumatischen Ereignisse zählen unter anderem Kriegserfahrungen, Vergewaltigung, Naturkatastrophen, Missbrauch, Todesunfälle im nahen persönlichen Umfeld, Stalking, Miterleben von Verbrechen usw.

Wir unterscheiden dabei zwischen Beziehungstraumen und Schocktraumen. Traumen beider Arten können Auslöser für Stress bzw. ein de-reguliertes Nervensystem sein. Oftmals sind die Traumen in Vergessenheit geraten, aber der Stress bleibt im Körper bestehen und führt uns immer weiter in die Stress-Spirale hinein.

Visualisierung und innere Bilder

Tiefe Entspannung, wie sie durch Meditation, Atemübungen und Yoga Nidra (siehe z.B. das Buch von Anna Röcker) erreicht wird, lässt in unserem Gehirn vermehrt Alphawellen (8 bis 14 Hz, messbar über das Enzephalogramm) entstehen, damit befinden wir uns auf einer tieferen Bewusstseinsebene als in unserem „Normalzustand“ der Betawellen von 14-30 Hz. Bei diesen Gehirnfrequenzen sind wir in einem wachen, alarmbereiten Zustand, mit logischem Denken beschäftigt, körperlich aktiv, erleben jedoch auch Unruhegefühle, Angst und Stress.
Die moderne Gehirnforschung, besonders aber auch Neurobiologie und Psychoneuroimmunologie, bestätigen das Wissen der alten Weisheitslehren (wie der Traditionellen Chinesischen Medizin, Hildegard von Bingen, Yoga, Ayurveda), nach denen auf der Alpha-Ebene die Regeneration des Körpers angeregt wird und der Zugang zu unserem Unbewussten und zu unseren inneren Bildern erleichtert wird.

Wie nutzen wir nun die Kraft der inneren Bilder?

Innere Bilder entstehen durch unsere Erfahrungen und sind in unserem Gehirn gespeichert. Ob diese Erfahrungen in der Innen- oder in der Außenwelt gemacht werden, wird von unserem Gehirn nicht unterschieden. Das bedeutet, dass z.B. ein idyllischer Garten, den wir uns vorstellen, in uns die fast genau die gleichen Gefühle von Geborgenheit, Harmonie und Glück weckt, wie einer, den wir wirklich besuchen.

Angenommen wir haben im Urlaub einen tollen entspannten Tag am Strand verbracht. Unter blauem Himmel und strahlender Sonne. Wir holen diese Erinnerung zu Hause wieder bewusst in unser Gedächtnis. Dann entsteht vor unserem geistigen Auge natürlich die damalige Umgebung. Es kommen jedoch auch die anderen Sinneswahrnehmungen hinzu: der Geruch der Meeresluft, die Wärme der Sonne, die empfundene Ruhe und Ausgeglichenheit und damit die Entspannung des Körpers und des Geistes.

Neuere Ergebnisse der Hirnforschung belegen, wenn wir uns mit unangenehmen Dingen beschäftigen, dann werden die Synapsen im Gehirn, die dafür zuständig sind, leistungsfähiger. Und die Synapsen und Nervenzellen, die sich für Zufriedenheit und Glück ausgebildet haben, werden immer schwächer. Da dieses Prinzip natürlich auch umgekehrt Gültigkeit hat, können wir die Macht der Vorstellung auch im Positiven nutzen.

Visualisierungsübungen dienen also dazu mit inneren Bildern gezielt bestimmte Gefühle oder Gedanken hervorzurufen und Blockaden zu lösen.

A. Röcker erklärt (in Jede Woche ein Stück vom Glück), dass durch innere Bilder, die wir auf der Alpha-Ebene kreieren, die Verbindung zum Limbischen System, dem Zentrum der Verarbeitung von Gefühlen, gestärkt wird. „Innere Bilder, die Sie nun entwickeln und mit einem positiven Gefühl verbinden, wirken unter anderem sehr stark auf den Körper. So können allein durch Vorstellungskraft und geduldiges Üben Blutdruck, Hormonausschüttung oder Schmerzempfindlichkeit beeinflusst werden.“

Wirtschafts-Mediation

Mediation ist außergerichtliche Konfliktschlichtung. Also die Lösung und/oder die Minderung eines Konflikts ohne Begehung eines Rechtsweges und meistens ohne Einschaltung eines Rechtsanwaltes. Anwendungsfelder einer Wirtschafts-Mediation sind inner- als auch zwischenbetriebliche Konflikte.

Weitere Informationen dazu beim Bundesverband Mediation in Wirtschaft BMWA.